Oft ist das Kirchenasyl die letzte Chance für Geflüchtete auf ein menschenwürdiges Leben. Das Kirchenasyl steht nicht über dem Recht, aber als ein Akt christlicher Humanität steht es seit Jahrhunderten für einen christlichen Schutzraum gegen staatliche Willkür. Es ist ähnlich wie das Gnadenrecht, ein Rechtsgrundsatz, der im besten Sinne für den christlichen Glauben und Haltung steht. Hier stehe ich und kann nicht anders, so die Worte des Reformators Martin Luther. Auch im 500. Jahr der Reformation gilt dieses Grundsatz für die Protestanten im Land, wir können Menschen in Not, die auf der Flucht sind und bei uns anklopfen, nicht ablehnen. Auch Jesus von Nazareth war ein Flüchtlingskind, daran erinnert uns Christen jedes Jahr das Weihnachtsfest.

Außerdem besteht derzeit kein konkreter Handlungsbedarf, im Gegenteil, die Kirchen in Deutschland gehen sehr verantwortungsvoll und behutsam mit dem Kirchenasyl um. Natürlich steigen die Anfragen, je unnachgiebiger und härter die Bundesregierung die Schrauben der Abschiebepraxis andreht. Da derzeit kein Problem mit missbräuchlicher Gewährung des Kirchenasyls besteht und die Zahlen bundesweit sehr gering sind, gibt es auch keinen Bedarf die Regelungen zu ändern. Im Gegenteil, dass Geflüchtete auf den Schutz der Kirche angewiesen sind, zeigt viel mehr, dass der Fehler im europäischen Asylsystem liegt und nicht im Rettungsanker Kirchenasyl.

Dr. Andreas Tietze ist Mitglied des schleswig-holsteinischen Landtages und im Ehrenamt Präses der Synode der Ev.luth. Kirche in Norddeutschland

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